3.6.1 Spielen als Grundlage des Lernens

Von den Erzieher*innen erwarten wir hier ein hohes Maß an Beobachtungsfähigkeit in Verbindung mit Kreativität um Anregungen für die Kinder zu entwerfen und durchzuführen bzw. in das Spiel des Kindes oder der Gruppe zu integrieren. Mengen und zahlenbezogenes Wissen, ist neben einem grundsätzlichen Wissen zu Raum- Lage- Beziehungen eine zentrale Vorläuferfähigkeit für Mathematik. In unsere Einrichtung wird dieses Wissen vielfältig im Spiel gefördert.

 

Die hier beschriebenen Grundannahmen spiegeln auch unsere alltäglichen Erfahrungen mit den Kindern deutlich wieder. Sie sind somit eine Grundlage für unser Handeln.

 

Wir sind der Meinung, dass das Spiel die ureigene Ausdrucksform und ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung des Kindes ist. Spielprozesse sind Bildungsprozesse, Spiel ist aus unserer Sicht die erfolgreichste und tiefgreifende Methode des Lernens. Gerade die seit PISA so vehement geforderten „Schlüsselkompetenzen“ werden durch spielerisches Lernen in der Elementarerziehung angelegt und vorbereitet. „Spielen ist Bildung – Bildung durch Spiel.“

 

Die Kinder unserer Einrichtung sind zwischen 1 und 6 Jahre alt. Ihre Hauptspielformen sind:

  • Symbolspiele („so tun als ob“)
  • die Realität wird verändert, um sie spielerisch zu begreifen
  • Konstruktionsspiele (z.B. bauen, malen, werken)
  • selbst gestalten und so „näher“ kennen lernen
  • Rollenspiele
  • in andere Lebensformen versetzen und neue Handlungsstrategien entwerfen
  • Regelspiele (z.B. Kreis-, Sing- und Bewegungsspiele)
  • Regeln werden erkannt, erfunden, variiert und zunehmend eingehalten
  • Sinneserfahrungen
  • in der U3 Pädagogik wird besonders das körperliche Erleben (mit allen Sinnen) durch verschiedenste Materialien, Höhenunterschiede, Raumlageveränderung, Schaukelerfahrungen erweitert.

In diesem Spiel geschieht in vernetzter Weise die Entwicklung und Förderung von Fähigkeiten auf den Ebenen:

  • Emotionen (Erkennen bei sich selbst und anderen, damit umgehen lernen, benennen und in Kontakt treten mit …)
  • Empathie
  • Grob-Motorik (erproben, entwickeln trainieren)
  • Fein-Motorik
  • Sprachentwicklung
  • Sozialkompetenz (sich selbst erkennen auch als Teil einer Gemeinschaft …)

Diese Spielformen entwickeln sich nacheinander und beeinflussen sich gegenseitig. Ebenso wissen wir, dass Kinder handelnd lernen und zwar mit allen Sinnen.

„Erzähle mir

und ich vergesse.

Zeige mir

und ich erinnere.

Lass es mich tun

und ich verstehe.“

 

Konfuzius

 

Wir haben in unserer Einrichtung die Gestaltung der Räume (einladende Atmosphäre), das Angebot an Material und Handwerkzeug, die Auswahl der Spiele und Spielgeräte und unsere Arbeit mit den Kindern darauf ausgerichtet, ihnen vielfältige Anstöße für eigenes Tun und Entdecken zu bieten.

 

Spiel ist:

  • Elementarer Bestandteil der Entwicklung des Kindes
  • Förderung für soziale Beziehungen
  • Intensive Beschäftigung mit positiven und negativen Gefühlen, sich entwickelnden Weltansichten, Selbstkompetenz
  • Ausdruck
  • Die Möglichkeit für das Kind sich Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen und Ängste zu bearbeiten
  • Lernen (Umgang mit Dingen und Menschen und sich selbst)
  • Erproben, üben, begreifen
  • Selbstständiges Handeln und Denken
  • Eigenmotivation (Freude am Tun)
  • Beanspruchung des ganzen Menschen, geistige und körperliche Fähigkeiten und seine Gefühle
  • Geduld
  • Rücksichtnahme

Das Kind lernt:

  • den Umgang mit Dingen (Sachkompetenz)
  • den Umgang mit Menschen (Sozialkompetenz)
  • sich in die Welt der Erwachsenen einzuüben
  • soziale Beziehungen untereinander (Kommunikation)
  • sich selbst und seine Fähigkeiten im Umgang mit Dingen und Menschen kennen und zu bewältigen (seine Rolle/ seinen Platz zu finden)

Wir Erzieher*innen:

  • schaffen geeignete Spielräume (abwechslungsreich, selbstgestaltbar) und Spielzeit
  • schaffen geeignete Atmosphären um „Spiel“ geschehen zu lassen
  • laden zum Spielen ein
  • setzen Spielimpulse (Angebote, Stuhlkreis)
  • geben Hilfestellung beim Lösen von Konflikten
  • fördern Spielfähigkeit
  • schaffen Rituale zur Strukturierung und Orientierung des „Kindergartenalltags“ -> weil es Sicherheit und Vertrauen schafft
  • „vermitteln“ ggf. Spielpartner zu finden
  • achten und schätzen ihr Spielverhalten bzw. ihr Spielthema
  • vermitteln Regeln

Ziel:       Wir möchten die Kinder dabei unterstützen, in die humane Zivilgesellschaft hineinzuwachsen. Förderung von Sozial-, Sach- und Selbstkompetenz.

 

Der Kindergartentag beginnt für jedes Kind mit dem Freispiel. Die Begrüßung, wenn das Kind in der Gruppe ankommt, ist sehr wichtig. Wir nehmen wahr, wer da ist und sehen in welcher Gemütsverfassung (gut gelaunt, traurig, müde...) sich das Kind befindet. Manche Kinder brauchen erst einmal Zeit zum Beobachten, andere vielleicht Trost oder die Unterstützung der Erzieherin beim Verabschieden der Eltern. Einige Kinder haben schon konkrete Spielideen und greifen sie gleich auf.

 

Hierzu stehen in der Gruppe verschiedene Spielbereiche zur Verfügung, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse, Interessen und Möglichkeiten der Kinder unterstützen und die die Kinder selbstbestimmt nutzen können, wie z.B.:

  • Rollenspielbereich/Puppenecke mit Verkleidungsmöglichkeiten
  • Bauteppich mit verschiedenen Konstruktionsmaterialien
  • Kreativbereich mit Basteltisch
  • Lese- und Kuschelecke
  • Frühstückstisch mit Buffet an dem gemeinsam erzählt und gegessen wird
  • Gruppenküche in der wir Speisen zubereiten (in der Regel fürs Frühstücksbuffet)

Zu den zur Wahl stehenden Spielbereichen gehört auch noch:

  • der Flur (mit Wahrnehmungsspielen),
  • die anderen Gruppenräume, in denen es noch unterschiedliche Möglichkeiten gibt
  • der Bewegungsraum
  • der Garten bzw. der Hof

 

Ab 8:30 Uhr, wenn die „Bring Phase“ zu Ende und die Außentür verschlossen ist, können jeweils zwei Kinder pro Gruppe (ohne die ständige Anwesenheit einer Erzieherin) auch in den Bewegungsraum miteinander spielen.

 

Die Flure sind ebenfalls Spielbereiche und können individuell nach Absprache von den Kindern genutzt werden.

 

Wer von den Kindern nach draußen, in die Flure, auf den Hof oder in den Bewegungsraum dürfen, entscheiden die Erzieherinnen in den jeweiligen Gruppen nach Alter und Entwicklungsstandes des Kindes sowie auf der Grundlage folgender Überlegungen:

  • Bevor Kinder allein auf den Hof oder in den Bewegungsraum dürfen, haben sie die Gelegenheit, in der Gruppe zu beweisen, dass sie sich an Absprachen und Regeln halten. Hierdurch wird eine Vertrauensbasis zwischen Kind und Erzieherin geschaffen, die Voraussetzung für das Erweitern von räumlichen Grenzen ist.
  • Es dürfen nur Kinder auf den Hof oder in den Bewegungsraum, die bereits ein gewisses Maß an Selbstständigkeit besitzen und diese schon unter Beweis gestellt haben. Das beinhaltet z.B., dass sie in der Lage sind, andere Kinder und Erwachsene anzusprechen, wenn Hilfe nötig ist.
  • Eine weitere Voraussetzung ist es, dass sich die Kinder gut in den Räumlichkeiten der Einrichtung orientieren können und bereits Kontakt und Vertrauen zu den Erzieherinnen der anderen Gruppen haben.
  • Die Erzieher*in wägt jeden Tag aufs Neue ab, ob sich das Kind in der Verfassung befindet, allein auf den Hof oder in den Bewegungsraum zu gehen.

Wichtig ist uns bei der Entscheidung aber auch, dass für die Kinder deutlich ist warum und wie die Entscheidung entsteht.

 

Warum wollen wir den Kindern diese Möglichkeit bieten?

 

Sich zu bewegen macht allen Kindern Spaß. In der Bewegung lernen sie ihren Körper, seine Möglichkeiten und Grenzen kennen. Der Bewegungsdrang der Kinder ist kaum zu zähmen und um ihn auszuleben, brauchen sie viel Platz und Zeit.

  • Der Hof sowie der Bewegungsraum bietet den Kindern zusätzliche Möglichkeiten ihre Grob- und Feinmotorik zu schulen, z.B. beim Klettern, Balancieren, Roller oder Laufrad fahren.
  • Der Hof und der Bewegungsraum geben den Kindern Raum für besondere Spielaktionen, die in der Gruppe nicht oder nur eingeschränkt möglich sind.
  • Wenn Kinder alleine in den Bewegungsraum oder auf den Hof dürfen, bedeutet es für sie Freiraum, „unbeobachtetes“ Spiel und die Stärkung des Selbstbewusstseins.
  • Wir unterstützen und fördern durch die freie Benutzung des Hofes und des Bewegungsraumes den individuellen Bewegungsdrang, die Selbstständigkeit und das eigenverantwortliche Handeln der Kinder.
  • Da jeweils zwei Kinder aus jeder Gruppe im Bewegungsraum oder im Hof sind, haben sie die Möglichkeit, Kinder aus anderen Gruppen kennen zu lernen und gleichzeitig müssen sie es schaffen miteinander auszukommen. Das fordert bestimmte Fähigkeiten, wie Kompromissbereitschaft und Offenheit anderen gegenüber.

Der Kontakt der Gruppen untereinander wird von uns nicht nur unterstützt (Gruppenübergreifende Workshops/Angebote, Projekte, Ausflüge, gegenseitige Besuche und gemeinsame Zeit im Garten) sondern auch wertgeschätzt.

Wir verstehen uns als eine Einrichtung, in der wir sowohl als Team als auch mit unseren vier Stammgruppen das Miteinander leben. Die Kinder erleben so nicht nur die vielen Facetten des Miteinanders als Beobachter, sondern können sich bei den verschiedensten Kontakten untereinander im Umgang mit anderen Menschen und sich selbst üben, z. B. sich abzusprechen, „einzuordnen“, durchzusetzen und ggf. auch unterzuordnen. Sie erproben und erlernen Sozialkompetenz.

 

Während der Freispielphase werden Ideen der Kinder aufgegriffen und von uns begleitet. So werden ihre Eigenmotivation und ihre individuellen Fähigkeiten unterstützt und sie fühlen sich in ihrem Tun ernst genommen, was ihnen in der Regel zu mehr Selbstbewusstsein und Mut für neue, zum Teil schwierige Aufgaben verhilft. In dieser Zeit werden auch die aktuellen Gruppenthemen in Bilderbuchbetrachtungen, Gesprächen und kreativen Angeboten behandelt. Dies ist für uns gelebte Partizipation.

 

In der Gruppe finden individuell Angebote statt. Hier haben die Kinder z.B. die Möglichkeit in Kleingruppen zu basteln, kochen, backen, den Gruppenraum mit zu gestalten (z.B. bei themenbezogenen Projekten) und vieles mehr. Die Angebote erfordern von uns Erzieher*innen eine gezielte Planung, die wir, wenn möglich, in unserer Vorbereitungszeit erstellen. Die Themen unserer Angebote sind individuell, genauso wie die Kinder mit ihren Bedürfnissen, Wahrnehmungen, Empfindungen und Ideen.

 

Einige Beispiele für gezielte Angebote:

  • Vorbereitung auf/für Feste (Ostern, Weihnachten, Sommerfest o. ä.)
  • Angebote zu laufenden Projekten (siehe Projekte)
  • Anregungen/Ideen von Kindern/Eltern oder uns Erzieher*innen
  • Förderangebote aufgrund gemachter Beobachtungen (z.B. in Bereichen wie Feinmotorik, Sinneswahrnehmung etc.)
  • Aufgreifen von Ereignissen, die für die Kinder derzeit von Bedeutung sind (z.B. Zirkusbesuch, Karneval)

Wir bieten gezielt vielfältige Materialien und Techniken an, damit die Kinder den Umgang mit möglichst vielen verschiedenen Dingen und Methoden erproben, üben und begreifen können. Dabei erreichen wir auch Kinder, die im Freispiel bestimmte Spielbereiche meiden. Durch gezielte Aufforderung, liebevollen Zuspruch und vielseitige, attraktive Angebote motivieren wir sie und stärken so ihr Selbstvertrauen und ihre Kompetenz.

 

 

Projektarbeit – Rahmenthemen

Eine wichtige Basis für unsere pädagogische Arbeit ist es, sowohl die Entwicklung der Gesamtgruppe, als auch die Entwicklung des einzelnen Kindes zu beobachten. Wir haben dadurch die Möglichkeit, gezielt zu planen und pädagogisch zu handeln. Aufgrund dieser Beobachtungen entstehen z.B. auch Projekte.

 

Beispiel:
Innerhalb der Gruppe beobachten wir, dass einzelne Kinder Schwierigkeiten haben Kontakte mit anderen aufzubauen oder zu halten. Aus dieser, an der Lebenssituation der Gruppenmitglieder orientierten Situation kann z.B. das Projekt „Freundschaft“ entstehen.

Das kann, muss aber nicht heißen, dass in Projekten Problematiken bearbeitet werden. Es kann sich auch um Handlungswünsche und Ideen von Kindern, Eltern oder Erzieher*innen handeln.

 

Beispiel:
Wir beobachteten, dass sich einzelne Kinder aus ihren Bildern mit Hilfe eines Tackers o. ä. „Bücher“ herstellen. Dieses Thema wurde aufgegriffen und in gemeinsamer Planung mit Erzieher*innen und Kindern entwickelte sich ein Projekt mit dem Ziel: „Wir gestalten ein eigenes Kinderbuch“.

Des Weiteren ergeben sich Projekte auch aus den Alltagserlebnissen.

 

Beispiel:
Wir beobachten, dass die Kinder auf unserem Außengelände auf Wespen und Bienen oder andere Insekten aufgeregt reagieren.

Daraus entsteht das Projekt Bienen und Wespen, das uns über einen längeren Zeitraum begleitet. Wir erforschen, stellen Fragen finden heraus und unterscheiden … Ebenso entwickeln wir kreative Angebote und gestalten diese passend zum Thema.

Weitere Projektinitiativen können sein:

  • Jahreszeiten (Frühling, Sommer...)
  • Jahreszeitenbedingte Ereignisse (Feste wie Weihnachten, Ostern)
  • Aktuelle Spielthemen (z.B. Familie, Arzt)
  • Aktuelle Interessenthemen der Kinder (z.B. Dinosaurier, Piraten, Märchen)
  • Veränderung der Einrichtung (z.B. Umgestaltung des Außenbereichs/der Gruppen)

 

Ein Projekt kann über Tage, Wochen oder sogar Monate den Alltag bestimmen. Das hängt vom Verlauf und Interesse aller Beteiligten ab. Ein wichtiger Aspekt, den wir als Erzieher*innen bei der Arbeit in Projekten sehen ist, dass das Kind hier in größeren Sinnzusammenhängen lernt. Es verfolgt und bearbeitet eine Sache bis zum Ziel, also von ihrer Entstehung bis zum Abschluss.

 

Dabei achten wir darauf, dass möglichst vielseitige und abwechslungsreiche Erfahrungen gemacht werden können, damit sich jedes Kind darin wiederfinden kann. Angebote sollen die Selbstständigkeit der Kinder unterstützen und ihre Mitsprache und Mitgestaltung herausfordern. Kinder erfahren ihre Tätigkeit unmittelbar als sinnvoll, wenn das Thema aus ihrem Lebensbereich stammt, wenn sie mitentscheiden und gemeinsam mit uns nach Wegen der Bearbeitung suchen können.

Sie erfahren dadurch Anerkennung und Wertschätzung ihrer Meinung und Ideen und ihrer Selbst.

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